Investitionen

Korea 2015/16 -6-

Manchmal blenden einen Glücksgefühle, manchmal kommt eine lang vergessen geglaubte Gewohnheit dazu, ZACK, bezahlt man das Doppelte für ein Taxi und manche Investitionen sollte man einfach machen.

Ich habe sie endlich! Zwar sieht sie etwas anders aus und ist nicht so hochwertig, aber ich bin eh nur Anfänger auf der Mandoline. Das Bargeld geht zur Neige und das passt auch irgendwie zur Zeit.

Man kann sich ja alles hinrechnen, wie man möchte, aber das haut ja auch immer irgendwie hin. 2002 kam ich nach Korea und wusste nix. Ein Jahr später gehörte ich schon zu den Erfahrenen, wieder ein Jahr später zu den Alten. Das nennt man Fluktuation. Auslandsschulstellen sind zwar (für manche Länder) recht begehrt, aber nicht lange besetzt. Das ist unter anderem der Grund, warum gute Auslandsschulen versuchen, ihre Lehrer mit allen Mitteln zu halten. Wer nicht ganz blöd in der Auswahl seiner zukünftigen Angestellten ist (und das „gute Händchen“ hat), investiert in ein Team, das im Kern gut zusammen arbeitet und wechselndes Personal integrieren und einarbeiten kann. Da ist dann eine hohe Fluktuation auf einmal ganz gut verkraftbar. Das hatten wir geraume Zeit, plus/minus max. 1-2 Leute/Jahre. Wenn man allerdings eine Schule „entkernt“ und aus fadenscheinigen Gründen die „Alten“ rausschmeißt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Dinge anders laufen, sich anders entwickeln und abhetzen. Nun, ich wurde 2011 entkernt (und nicht einmal richtig verabschiedet), das ist nach 9 Jahren zwar bitter, aber was soll man machen. Wäre freiwillig nie gegangen, aber es wurde mir auch jede Option versperrt. „Wo rohe Kräfte sinnlos walten…“ Wenn die Kinder sangen, war ich glücklich und zumindest ersteres war sogar offiziell verlangt (Rahmenrichtlinien!). Egal jetzt. FU. Gerechnet fühlte ich mich seit 2005 als Teil dieses Landes und mein Job war für mich nicht mehr nur temporär. Mit weniger als 3 Jahren gehört man auch eigentlich gar nicht richtig „dazu“. 2005 hab ich meinen ersten Großroller mal so richtig „ausgeführt“, das Land erkundet und seine Schönheit kennen gelernt. 2005 war der Beginn meiner neuen Heimat. 10 Jahre später verlasse ich sie, zerreiße die letzten Fäden. Der letzte Rest meines letzten Gehaltes aus Korea wurde heute verbraten. Oder besser: „Investiert“.

Investiert in eine „Mach-Kay-glücklich“-Zukunft, mit technischem Schnickschnack auf dem neuesten Stand und einem Musikinstrument, nein, zwei Instrumenten, die zu nutzen der Schreiber gewillt ist: Eine elektrische Ukulele, die man sogar direkt an den PC anschließen kann (sie heißt „MP3:Eleuke“) und einer blauen Mandoline, deren Vorgänger ein eher unrühmliches Ende nahm (siehe www.kaygroneberg.de/?p=264) . Der Verkäufer der Mandoline war der gleiche, bei dem es die Saiten für meine chromatische Harfe gab. Ich hatte die Visitenkarte dieses Geschäfts allerdings nur aus dem Instrumentenkoffer und das war auch Zufall. Die Harfe hatte ich geschenkt bekommen von einem Kneipier, der sie eigentlich an die Wand hängen wollte und zwar als Dekoration für seinen Irish Pub. Richard hieß der. Der Kneipier. Er überließ die gebraucht gekaufte Harfe mir. Die Musik, die durch diese Instrumente ergänzt werden soll, ist Teil meines, noch nicht real existierenden Albums „Therapie“. Oder, auf fremdsprachlich: „Therapy“. Das nicht dazu gedacht ist, Geld zu machen oder Erfolg einzuheimsen, sondern ein persönliches ist, das in erster Linie mir helfen soll, mit dem real existierenden Realdaseinismus klarzukommen.

Der wirklich letzte, relativ neue 50.000-Won-Schein (ca. 40 Euro) wurde heute angebrochen an einem Ort, den ich in den letzten Koreajahren häufig aufgesucht hatte. Weil es erstens zuhause allein zu langweilig war, zweitens ich hier bei ’nem Guinness mit meinem Laptop Wunderdinge vollbrachte (an meine ehemaligen Schüler: sämtliche Klassenfahrts-Diashows sind hier entstanden!) und ich drittens ’ne Menge Leute getroffen habe, um mit ihnen Dart zu spielen, über Musik zu sprechen oder einfach nur mit ihnen Freundschaft zu schließen. Inklusive des Chefs der Bude, des „Baby Guinness“, Richard. Ja, der, von dem ich die Harfe habe…

So viele Kreise wurden heute geschlossen. Manchmal bemerkt man das gar nicht so genau. Das fällt einem erst auf, wenn man z.B. glückselig nach einem Instrumenteneinkauf ein Taxi ruft, einsteigt, seine Heimadresse angibt und erst auf der Hälfte der Strecke feststellt, dass die gar nicht stimmt und man irgendwas vergessen hat. Z.B. den Koffer, der noch im letzten Hotel steht. Man ist plötzlich „so drin“, wie damals, als man, noch angestellt, beruflich oder/und privat im „Nagwon Sanga“ (der größten Music Mall der Welt) einkaufen war, und ich hab immer etwas gekauft, seien es auch nur Saiten für ein Instrument gewesen. Und manchmal merkt man es gleich. Wenn Instrumente, Verkäufer, Kunden, Saiten und Gründe auf einmal zusammenkommen. Und man in dem Laden steht und denkt: „Boah!“

Manche Investitionen sind durch Zufall gut, andere aus Kalkulation. Pick one, get it done. Oder eben nicht. Qualität setzt sich durch! Irgendwann, irgendwo, irgendwie.

Speisen: Ojingeo, Mulnengmyeon, Kimbap, Samgyeopsal

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