Schottland im Juli – ein Urlaubsblog

Diese Landschaft, die Berge, die Seen, das Meer…

Schottland ist wie Irland, nur anders. Mehr Platz und dadurch länger schöne Landschaft. Den Dialekt versteht man am Anfang auch nicht, aber die Menschen merken das schnell und sprechen gaaaanz l a n g s a m. Fast mitleidig erklären sie einem dummen Deutschen, wo er abbiegen, anhalten oder hier- und dorthin übersetzen muss oder sollte.

Und dank Navi findet man auch all diese Plätze, Abbiegungen und Sehenswürdigkeiten. Schon ist man da: Schottland- Herrliche Landschaften, enge Straßen, die sich durch romantische Täler schlängeln, anspruchsvolle Wege, auf die sich auch Fahrradfahrer wagen und die diese Nischen haben, wo man überholen kann, verträumte kleine Dörfer, weiß-schwarze Häuser mit Blumen an den Fenstern, diese typischen Schornsteine, die einen wissen lassen, dass im Inneren ein Kamin seine Dienste verrichtet, gut ausgeschilderte Fähren, die man auch ohne Navi findet, sichere Warnungen vor Baustellen oder Verkehrsbesonderheiten, diese selbst für einen Rollerfahrer wunderbaren Kurven, immer wieder die fantastischen Aussichten auf die Gebirgsseen, wenn man auf einer anspruchsvollen Serpentine ins Tal hinab sieht, diese düsteren Berge, die einem vermitteln, wie klein man doch ist, die netten Autofahrer, die einem wohl aufgrund des Nummernschildes Fahrfehler leicht verzeihen, Hotels, in denen man gut Geld sparen kann, da man mit seinen zwei Kumpels fast immer ein Dreibettzimmer bekommt und den Abend beschließt man dann im Pub bei einem belebenden Ale… Schottland ist ein tolles Land!

Halt! Es ist kein Land. Wollten sie ja dann doch nicht. Und so toll isses auch nicht, wenn du als Zweiradfahrer ständig im beschissenen Regen unterwegs bist!

Dann tickt das Navi aus und du musst nach Schildern Ausschau halten, die du eh nicht siehst, weil dir die beknackten Regentopfen von innen und von außen das Visier, das du auflässt, damit es nicht beschlägt, die Sicht versauen, du musst aufpassen, dass du die bekloppten Fahrradfahrer, die selbst zu zweit aufgrund ihrer unkalkulierbaren Fahrweise nicht zu überholen sind, auf diesen viel zu engen Wegen nicht einfach ins nächste Tal beförderst, musst ständig in den Überholnischen auf die Schnecken der anderen Seite warten, Split, überall Split, Split und tote Tiere in den Kurven, den Geraden, bergauf, bergab, musst auf den freien Strecken auf Geschwindigkeitsfallen der lokalen Polizei gefasst sein, die in den oh so verträumten Dörfern wie Kojoten auf Beute warten, graue Schleier links und rechts der Straße, wo Aussicht sein sollte, nasse Klamotten, die man auf den völlig überteuerten Fähren nie trocken bekommt, musst bei Richtungsunsicherheiten hin und wieder lokale Sprachgewohnheiten von Stadtautofahrern anhören („You fuckin‘ idiots!“), bekommst im Hotel ein Doppelbett und so ’ne Art Campingliege und bezahlst abends an der Bar 6-7 Euro für ein Bier!

Schottland soll sein wie sein Whiskey: Rau, alt und mit viel Seele.
Wenn er allerdings so verwässert wird, würde ich es, um mit Horst Lüning zu sprechen, mal so ausdrücken: Ich habe diesen leicht erdigen Geschmack von einer auf dem Lochwanderpfad zertretenen nordschottischen Erdkröte, die gerade eine Fruchtfliege verspeiste, welche kurz zuvor auf einem im Torfmoor liegenden Apfel gesessen hatte, hier in diesem Whiskey nicht gespürt.

Das war im Juli 2015. Dem verregnetsten und kältesten in Schottland seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen.

 

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